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Biozide in Fassadenbeschichtungen

Umwelt- und Gesundheitsaspekte sowie Empfehlungen zur Minderung des Biozideinsatzes

Analyse & Strategieempfehlungen

Wärmegedämmte Fassaden leisten einen wichtigen Beitrag zur Verringerung des Energieverbrauchs von Gebäuden und damit zum Klimaschutz. Häufig werden dafür Wärmedämmverbundsysteme eingesetzt, bei denen Dämmplatten mit einem vergleichsweise dünnen Außenputz versehen werden.

Die wärmegedämmte Außenfläche wird nur in geringem Maß durch Wärme aus dem Gebäudeinneren erwärmt. Vor allem durch nächtliche Abkühlung, Kondensation und Niederschläge kann die Fassadenoberfläche deshalb über längere Zeit feucht bleiben. Diese Bedingungen begünstigen das Wachstum von Algen und Pilzen, die sich als grünliche, graue oder schwarze Verfärbungen zeigen können.

Ein solcher Bewuchs beeinträchtigt in der Regel nicht die Tragfähigkeit der Fassade, kann jedoch ihr Erscheinungsbild deutlich verändern. Um das Wachstum von Algen und Pilzen zu verzögern, werden Fassadenputze und -beschichtungen daher häufig mit bioziden Wirkstoffen ausgerüstet.

Die Schutzwirkung dieser Wirkstoffe ist zeitlich begrenzt. Durch Niederschläge können Biozide aus der Fassade ausgewaschen und mit dem abfließenden Wasser in Böden, Kanalisation und Gewässer eingetragen werden. Einige der eingesetzten Wirkstoffe sind für Wasserorganismen sehr giftig oder besitzen weitere problematische Umwelteigenschaften.

Im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft untersuchte das Technische Büro Klade die potenziellen Auswirkungen biozidhaltiger Fassadenbeschichtungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Dabei wurden sowohl die Eigenschaften der eingesetzten Wirkstoffe als auch Möglichkeiten zur Vermeidung oder Verminderung ihres Einsatzes betrachtet.

Die Studie behandelt insbesondere folgende Themen:

  • gefährliche Eigenschaften der verwendeten bioziden Wirkstoffe,
  • Art und Menge der eingesetzten Biozide,
  • Verkapselung und kontrollierte Freisetzung der Wirkstoffe,
  • Auswaschung aus Fassadenbeschichtungen und Eintrag in die Umwelt,
  • mögliche Belastungen bei Verarbeitung und Anwendung,
  • planerische und bauliche Maßnahmen zur Verringerung von Algen- und Pilzbewuchs,
  • biozidfreie Wärmedämmverbundsysteme, Fassadenputze und Beschichtungen.

Die Untersuchung zeigt, dass der Schutz einer Fassade nicht allein von der chemischen Ausrüstung des Putzes abhängt. Bereits bei Planung, Materialwahl und Ausführung können Maßnahmen getroffen werden, die die Feuchtigkeit an der Fassadenoberfläche verringern und damit das Wachstum von Algen und Pilzen erschweren.

Die Studie enthält Strategieempfehlungen für Planung, Ausschreibung, Beschaffung und Ausführung. Ihr Ziel ist es, den routinemäßigen Einsatz biozider Wirkstoffe in Fassadenbeschichtungen möglichst zu vermeiden oder zumindest zu verringern. Dadurch sollen Belastungen für Verarbeitende, Gebäudenutzende und die Umwelt vermindert werden.

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